Kleine Fische – große Wirkung: Überfischung

Fisch ist lecker und gesund, daher hat er in den letzten Jahren so manches Schnitzel oder Steak aus der Pfanne verdrängt: Jeder Deutsche hat im Durchschnitt 13,5 kg Fisch und Fischereierzeugnisse im Jahr 2004 gegessen. Gleichzeitig verschlechtert sich aber seit Jahren der Zustand der Fischbestände. Weltweit gelten ca. 60–70% der Fischarten als überfischt, d.h. es werden mehr Fische gefangen als nachwachsen können. Besonders betroffen sind die Bestände der Nord- und Ostsee. Mit neuartigen Schleppnetzen werden z.B. Nordsee-Schollen gefangen, die zu etwa 92% unter den EU-Vorgaben für Mindestgrößen liegen.

Diese „Baby-Fische“ haben keine Chance zu laichen und sich fortzupflanzen, bevor sie bei uns auf dem Teller landen. Das gefährdet nicht nur die Zukunft der Fischbestände, sondern auch das Ökosystem insgesamt. Nach Schätzungen des Projekts INCOFISH am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel (IFM-GEOMAR) fallen je nach Art 30 bis 80 Prozent der im deutschen Handel angebotenen Fische in diese Kategorie. In gutem Zustand sind gegenwärtig nur die Bestände von Hering, Sprotte und Seelachs.

Die EU-Fischereipolitik hat über Jahre durch Fehlentscheidungen zugunsten kurzsichtiger nationaler Interessen für diesen besorgniserregenden Zustand der Meeresfischbestände gesorgt. Wissenschaftliche Empfehlungen wurden regelmäßig ignoriert oder die Umsetzung durch schlechte Kompromisse verwässert. So gibt die EU beispielsweise Mindestgrößen für verschiedene Speisefische heraus. Diese sind aber zum größten Teil so festgelegt, dass die Tiere die Geschlechtsreife gar nicht erreichen können. Beispiel: Die meisten Nordsee Kabeljau sind erst bei einer Länge von 68 cm geschlechtsreif. Sie dürfen aber nach EU Vorgaben bereits bei einer Größe von 35 cm gefangen werden. Eine Erholung der Fischbestände ist so nicht möglich.